Fahrermangel in der Logistikbranche

Mehr Frauen sollen angeworben werden

Jedes Jahr beginnen etwa nur 15.000 Menschen als LKW-Fahrer an zu arbeiten. Das Problem ist, dass doppelt so viele auch aufhören. Die Spediteure suchen dringend nach Fahrern oder Fahrerinnen, da auch die Transporte stetig zunehmen.

Die Logistikbranche möchte den Beruf attraktiver gestalten und nun gezielt auf Frauen zugehen. In den vergangenen Jahren verlor der Beruf des LKW-Fahrers aufgrund des geringen Lohns, der langen Tagen und den schlechten Arbeitsbedingungen zunehmend an Beliebtheit. Auch das Ende der Wehrpflicht verschärfte diesen Mangel. Nach Angaben des Bundesverbands Spedition und Logistik (DSLV) und des Bundesverbands Güterverkehr Logistik und Entsorgung (BGL) fehlen momentan zwischen 45.000 und 60.000 Fahrer in der Branche.

Auch auf der diesjährigen Messe Transport Logistik in München (4.06-7.06) ist der Fachkräftemangel ein großes Thema und zudem „das beherrschende Thema im Konferenzprogramm“, so Messe-Geschäftsführer Stefan Rummel. Auch BGL-Vorstandssprecher Dirk Engelhardt ist der Meinung, dass sich die Branche „kurz vor dem Versorgungskollaps“ befindet.

In einer Studie von 2017 schätzt die Weltbank zudem, dass in den folgenden 10 bis 15 Jahren rund 40 Prozent aller deutschen Lastkraftfahrer in Rente gehen werden. Nach dieser Prognose könnten in den 2030er Jahren 150.000 Fahrer fehlen. Auch das Alter spielt in diesem Kontext eine große Rolle. Laut BGL ist ein Drittel der Fahrer 55 Jahre oder älter. Nur schätzungsweise 2,5 Prozent sind jünger als 25 Jahre, fast alle von ihnen männlich. Der Frauenanteil in dieser Branche beträgt gerade mal 1,7 Prozent. Aufgrund des Booms im Online-Handel steigt das Gütervolumen täglich. Hier könnten selbst die Fahrer aus Osteuropa diese Lücke nicht mehr schließen.

Die Studie der Weltbank verdeutlicht das Problem. Den Fahrermangel betrifft nicht nur Deutschland, auch in zahlreichen anderen Ländern in Europa und Asien wird das Problem sichtbar. „Wir müssen ganz dringend an dem Image des Berufs arbeiten“, sagte BGL-Vorstandssprecher Engelhardt. Es müsse Werbung geschaltet werden und es soll gezielt auf Frauen zugegangen werden.

Engelhardt ist zudem auch der Meinung dass sich die Arbeitsqualität deutlich zu verbessern hat, um so langfristig mehr Fahrer zu gewinnen. So sollen die Fahrerhäuser optimiert werden und es soll eine Toilette an Bord geben. Außerdem müssten die Fahrer Essen und Trinken an der Rampe bekommen und dort die Sanitäreinrichtungen benutzen können. Auch flexiblere Lenk- und Ruhezeiten fordert Engelhardt von der EU.
In der Debatte wird immer wieder genannt, dass die Abschaffung der Wehrpflicht im Sommer 2011 der Grund des Fahrermangels ist. In der Bundeswehr können Soldaten, Beamte und Angestellte eine Kraftfahrtausbildung absolvieren.

Im letzten Jahr vor der Abschaffung der Wehrpflicht absolvierten etwa 17.800 Menschen eine Kraftfahrtausbildung bei der Bundeswehr. 2018 war es ein Drittel weniger. Zudem trägt auch die Ungewissheit, wie viele ehemalige Soldaten nach ihrem Dienst bei der Bundeswehr Lkw-Fahrer geworden sind, zum Mangel bei.

Dachser, ein Unternehmen was sich selbst als größten Ausbilder für Berufskraftfahrer in Deutschland beschreibt, stellt rund 100 neue Auszubildende pro Jahr ein. Mit dem Ausbildungsprogramm versucht das Unternehmen, dem Fahrermangel entgegenzuwirken. Hendrik Jansen, Geschäftsführer von Dachser Service und Ausbildung, erklärt, dass es auch für sie schwierig sei Fahrer zu finden. Weniger Fahrer bedeuten mehr Kosen für das Unternehmen.