Wenn sich Gehaltserhöhungen nicht lohnen

Neue Studie des IW

Viele Arbeitnehmer kennen es: zunächst ist die Freude über die Gehaltserhöhung groß. Doch bei der nächsten Gehaltsabrechnung ist diese schnell wieder verflogen. Denn von dem Plus kommt nur wenig im Portemonnaie an.

Das Kölner Institut für Wirtschaftsforschung (IW) hat nun in einer neuen Studie bestätigt und herausgefunden, wie viel tatsächlich auf dem Konto des Arbeitnehmers landet. In manchen Fällen kann es sogar dazu kommen, dass er für einen bestimmten Zeitraum weniger Geld zur Verfügung hat, trotz eines zusätzlichen Einkommens.

Alleinerziehende könnten bei Gehaltserhöhungen sogar draufzahlen

Betroffen von diesem Szenario sind vor allem Menschen im unteren Einkommensbereich, wie beispielsweise mit Mini- oder Midi-Jobs. Diese hätten netto kaum etwas von der Lohnerhöhung, bilanziert Tobias Hentze, der an der Studie mitgearbeitet hat.

Der Grund für Gehaltserhöhungen, die sich finanziell nicht lohnen, ist die sogenannte Grenzbelastung. Damit wird festgelegt, wie viel netto vom brutto auf dem Konto ankommt. Ein Rechenbeispiel: bei einem Euro und einer Grenzbelastung von 80 Prozent, blieben nur 0,20 Euro übrig.

Eine hohe Grenzbelastung, kritisieren die Studienmacher, demotiviere Arbeitsuchende überhaupt wieder in den Job einzusteigen. Auch die Ausdehnung der Arbeitszeit lohne sich kaum. Singles mit einem Einkommen zwischen 14.400 und 17.000 Euro brutto jährlich würden eine Gehaltserhöhung gar nicht auf dem Konto sehen. Noch schlechter stehen Alleinerziehende dar, diese müssen bei bestimmten Bruttojahreseinkommen sogar draufzahlen.

„Arbeit muss sich für die Arbeitnehmer lohnen“

Der Großteil des Bruttolohns geht für Steuern und Sozialabgaben drauf. Diese sind nach einer aktuellen OECD-Studie in Deutschland besonders hoch. Durchschnittlich fällt in Deutschland für die meisten Gehaltsklassen eine Grenzbelastung von 40 bis 50 Prozent an.

Doch die Studie zeigt auch, dass die Grenzbelastung in den letzten 19 Jahren stetig gesunken ist. Dennoch fordern die Studienautoren: „Arbeit muss sich für die Arbeitnehmer lohnen.“

Das äußerst komplexe Steuersystem in Deutschland hält eine Vielzahl an Alternativen zu Gehaltserhöhungen bereit, wie mehr netto vom brutto bleibt: „Mit Blick auf den Fachkräftemangel sollten Lohnerhöhungen in den unteren und mittleren Einkommen nicht zum Nachteil werden“, so die Macher der Studie.