Berlin: Über 140.000 Fachkräfte fehlen

Neue Zahlen der IHK

Die Industrie- und Handelskammer (IHK) Berlin hat aktuelle Zahlen zum Fachkräftemangel in der Bundeshauptstadt veröffentlicht. Demnach fehlen allein in Berlin 141.000 Fachkräfte. Das sind noch mal 20.000 offene Stellen mehr, als noch 2018.

Und auch die Prognose fällt eher weniger optimistisch aus. Bis 2030 könnte sich der Fachkräftemangel auf 232.000 offene Vakanzen verschärfen, so die Prognose der Experten. Dann könnten dem Arbeitsmarkt über 300.000 Facharbeiter weniger zur Verfügung stehen als heute.

Digitalisierung ersetzt keine Fachkräfte

Zwar klingt 2030 noch nach ferner Zukunft, doch bereits in den kommenden sechs Jahren könnte sich die Situation zuspitzen. Dann erreichen die sogenannten Babyboomer das Renteneintrittsalter. Der Zeitraum von 1955 bis 1969 gilt als besonders geburtenstarke Jahrgänge. Diese erfahrenen Fachkräfte fallen doch für den Arbeitsmarkt weg. Schon heute bekommt vor allem die Dienstleistungsbranche den Fachkräftemangel zu spüren. Das wird nach der IHK wohl auch bis 2030 so bleiben.

Die IHK bereitet die Unternehmen auf „schwierige Zeiten“ vor: „Mittlerweile stellt der Fachkräftemangel für die Berliner Unternehmen das größte wirtschaftliche Risiko dar.“

Zwar werde durch die Digitalisierung und dadurch der Wegfall von Arbeitsplätzen die zugespitzte Situation gemildert, doch lösen werde sie das Problem nicht, so Beatrice Kramm (Kammerpräsidentin).
Nach der Untersuchung fehlen vor allem Mitarbeiter in den Bereichen der Unternehmensorganisation und im Personalwesen, aber auch in sozialen Berufen und bei den Erziehern.

UVB setzt auf Fachkräfteeinwanderungsgesetz

Die IHK rät betroffenen Unternehmen deshalb frühzeitig aktiv zu werden und in das Wohl der Mitarbeiter zu investieren. Auch müsse die Vereinbarkeit von Familie und Beruf politisch gefördert werden, so Kramm.

Die Unternehmensverbände Berlin-Brandenburg (UVB) setzt Hoffnung in das Fachkräfteeinwanderungsgesetz. Im Dezember hatte das Kabinett zugestimmt, dass Arbeiter aus Nicht-EU-Ländern leichter in den deutschen Arbeitsmarkt integriert werden können. Ursprünglich sollte über das Gesetz im März vom Bundestag beraten werden, doch das wurde auf unbestimmte Zeit aufgeschoben.

Christian Amsinck, Hauptgeschäftsführer des UVB, bleibt trotzdem optimistisch: „Ohne qualifizierte Arbeitnehmer aus dem Ausland geht es schon lange nicht mehr.“