Weitere Vorstände verlassen Uniper

Fehlendes Vertrauen zum Großaktionär Fortum

Nachdem Vorstandschef Klaus Schäfer und Finanzvorstand Christopher Delbrück den Stromproduzenten Uniper, Sitz in Düsseldorf, verlassen haben, folgen nun zwei weitere Vorstandsmitglieder und kündigten ihren Rücktritt an. Das Unternehmen teilte Sonntag mit, dass Eckhardt Rümmler, Chief Operating Officer, und Keith Martin, Chief Commercial Officer, Ende November 2019 ihre Karriere bei Uniper beenden wollen.

Das Karriere-Aus ist eine Reaktion auf den Streit mit dem Großaktionär Fortum, der mittlerweile 49,99 Prozent der Aktien hält. Der Vorstand hatte sich längere Zeit gegen den Eintritt des finnischen Energiekonzerns in Uniper gesträubt. Auf der Hauptversammlung am Mittwoch konnte sich Fortum durchsetzen, die Entscheidung über die Entlastung des Vorstandes für die Jahre 2017 und 2018 zu vertagen.

Aufsichtsratschef Reutersberg nimmt Stellung: „Ich bedaure die Entscheidungen von Eckhardt Rümmler und Keith Martin zutiefst. Gleichwohl kann ich sie angesichts des unmissverständlich zum Ausdruck gebrachten Misstrauens unseres Großaktionärs Fortum gegenüber dem gesamten Uniper-Vorstand nachvollziehen.“ Die Folge der erneuten Vertagung der Entlastung um ein weiteres Jahr ist ein übermäßiger Druck, der auf beide ausgeübt werde, damit sie sich in gewisser Weise verhalten.

Schon bei der Hauptversammlung äußerte sich Reutersberg mit klaren Worten zur Vertagung und sehe darin einen „Misstrauensbeweis“. Anfang Februar sah die Reaktion jedoch anders aus: Der Chefaufseher hatte damals die Idee von einem „Neuanfang“ und forderte den Vorstand auf, die Kooperationsmöglichkeiten mit Fortum auszuloten. Die Reaktion von Schäfer und Delbrück: der Rücktritt aus dem Unternehmen. Nachfolger sind bereits bestimmt.

Rümmler: „Ich habe mir diese Entscheidung nicht leicht gemacht.“ Mit „viel Zuversicht und klarem Blick nach vorn“ hätten Keith Martin und er nach dem Rücktritt von Klaus Schäfer und Christopher Delbrück gemeinsam die Kooperationsgespräche mit Fortum aufgenommen und ein gutes Stück vorangebracht. „Umso mehr bedaure ich es, dass sich das mehrfach mir gegenüber mündlich entgegengebrachte Vertrauen nicht im Abstimmungsverhalten von Fortum in der Hauptversammlung widergespiegelt hat“, so Rümmler weiter.

Auch Keith Martin nimmt Stellung: „Ich habe intensiv über die Ereignisse der letzten Woche nachgedacht. Dabei bin ich zu dem Schluss gelangt, dass es mehr als nur den unbedingten Willen braucht, wenn man auf sachlicher Ebene eine für Fortum und Uniper gute Lösung erreichen möchte.“

Grund ist das Genehmigungsverfahren in Russland. Dort betreibt Uniper einen großen Stromerzeuger. Die Behörden in Russland genehmigten den Einstieg Fortums, jedoch nur bis zu einer Schwelle von 50 Prozent. Nun wurde dem Unternehmen vorgeworfen, der Uniper-Vorstand habe gegen das Unternehmen in Finnland gearbeitet.