Niedriglohnsektor kein Karriere Sprungbrett

Neue Studie präsentiert aktuelle Zahlen

Arbeits- und Erwerbslosen sollte mit dem Niedriglohnsektor der wieder Einstieg in die Berufswelt erleichtert werden. Zeitgleich soll ihnen dadurch neue Türen geöffnet werden, in eine höher bezahlte Arbeit aufzusteigen: Der Niedriglohnsektor als Karriere Sprungbrett.

Der aktuelle Grenzwert für Niedriglohn

Doch das ist eine Illusion. Zu diesem Ergebnis kommt nun eine Studie des Deutschen Wirtschaftsinstituts (DIW). Die sogenannte Lohnmobilität, also der Ausstieg aus dem Niedriglohnsektor heraus, gelingt den wenigsten. Laut den Autoren schaffen rund 33 Prozent den Sprung in eine besser bezahlte Tätigkeit. Das trifft vor allem auf Arbeitnehmer zu, die neben ihrer Ausbildung eine zusätzliche Tätigkeit ausübten. Nach Abschluss stiegen sie wieder in den ursprünglich erlernten Beruf ein und entkamen so der Niedriglohn Falle. Die übrigen 67 Prozent schaffen diesen Sprung nicht.

In Deutschland arbeiten rund 24 Prozent in einer Vollzeitstelle, die sich am Existenzminimum bewegt. Wie hoch die Schwelle ist, hängt von dem Bruttostundenlohn der Arbeitnehmer in Deutschland ab. Die sogenannte Verdienststrukturerhebung fand zuletzt 2014 statt. Demnach liegt der Grenzwert zum Niedriglohn bei 10 Euro Bruttolohn pro Stunde.

Immer mehr Menschen arbeiten hierzulande in diesem Segment. Waren es in den 90er Jahren noch 16 Prozent, so stieg die Anzahl in den letzten Jahren kontinuierlich an. Seit der Finanzkrise 2008 liegt die Anzahl bei 24 Prozent. Das entspricht neun Millionen Beschäftigten (2017).

„Niedriglohnsektor ist eine Falle“

Besonders betroffen sind Frauen und junge Erwachsene. Auch regional gibt es Unterschiede. So arbeiten in Ostdeutschland 34 Prozent in einer Beschäftigung mit Niedriglohn, in Westdeutschland sind es mit 22 Prozent weniger Arbeitnehmer.

Markus Grabka, Autor der Studie, über die Ergebnisse: „Dass der Niedriglohnsektor lediglich als Übergang oder gar als Sprungbrett gilt, erweist sich für die meisten als Illusion.“ Er spricht von einer „Niedriglohnfalle“, aus der viele Arbeitnehmer nicht herauskommen.

Die Macher der Studie fordern beispielsweise die Eindämmung des Sektors, indem die Verdienstgrenze für Minijobs herabgesenkt wird.